Integrierte Informationsverarbeitung 1

Der Ford-Konzern strebt eine weltweit einheitliche integrierte Logistiklösung an (vgl. Abschnitt 4.4). Das Konzept enthält neben der Produktionslenkung auch die Anbindung der Lieferanten: diese siedeln oft kleine Produktionsstätten in einem werksnahen Industrie-Park an.
Über Web-Technologie (Extranet) werden die Fahrzeugbestellungen inklusive abwicklungsrelevanter Kundendaten direkt in die Ford-Systeme eingegeben, unter anderem auf Baubarkeit geprüft und an EUROVlS (European Vehicle lnformation System) weitergeleitet z. B. zur Fahrgestellnummernvergabe. Ein System OVS (Optimized Vehicle Scheduling) legt unter Berücksichtigung der Kapazitätsauslastung und der Markt- und Händlerprioritäten die Fertigungsreihenfolge fest. Die Produktionsdaten werden meist fünf bis zehn Tage vor dem geplanten Fertigungsende zu den dezentralen Rechnern in der Produktion übertragen. Alle Fahrzeuge können ab der Unterbodenfertigung in jeder Stufe des Fertigungsprozesses entweder über Barcode oder über einen RFlD-Chip (vgl. Abschnitt 3.4.5.2) identifiziert werden.

Die Systeme ILVS (In Line Vehicle Sequencing) und PVS (Plant Vehicle Scheduling) steuern die tägliche Produktion im Karosserie- und Lackbereich und in der Endmontage. Diese dezentralen Systeme sorgen auch für die kurzfristige Anlieferung der Produktionsmaterialien. Dies geschieht entweder als Sequenz-Anlieferung oder nach dem KANBAN-Prinzip. lm ersten Fall liegen verschiedene Varianten einer Teilegruppe in Baureihenfolge in einer Verpackungseinheit. Bei KANBAN-Anlieferung enthält jede Packungseinheit nur eine Variante einer Teilegruppe. Auf diese Weise sind die Fertigungsprozesse verschiedener Produktionsstätten der Ford-Werke AG und der Lieferanten synchronisiert. lm Karosseriebau erhalten die Schweißroboter automatisch die Bauinformationen des nächsten Fahrzeugs.

An verschiedenen Stellen der Endmontage testet ECOS (Electrical CheckOut System) die elektrischen Systeme; die elektronischen Steuerungsgruppen konfiguriert man mittels eCATS (electronic Configuration and Test System). Danach wird die Funktionsweise der Steuerungseinheit sowie all der Systeme getestet, die von dieser Steuerungseinheit kontrolliert werden.

Während des gesamten Produktionsprozesses gibt ILVS/PVS regelmäßig Statusmeldungen an einen Großrechner. Die Typenschilder werden automatisch geprägt und montiert. Nach Fertigstellung des Fahrzeugs generiert das CDM (Car Dispatch Mechanisation) die Fahrzeug-, Zoll- und Versandpapiere. Die Software wird von einer weltweit organisierten System-Abteilung mit Teams in Deutschland, England und USA entwickelt und gepflegt [GRE 05].

© Peter Mertens

ILVS_Brochure.pdf

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